Es gibt verschiedene Wege der Korrektur eines falsch geschriebenen Wortes, wobei dies der pädagogischen Wahl des Lehrers überlassen bleibt. Den einen „Königsweg“ gibt es nicht. Alle Möglichkeiten haben Vor- und Nachteile:

 

 

Das falsch geschriebene Wort wegradieren

Solange in der 1. und 2. Klasse mit dem Bleistift geschrieben wird, der Schüler nicht „unter Druck“ steht und genügend Zeit hat, ist das Radieren natürlich sinnvoll. Im kleinen Diktat oder beim Abschreiben von der Tafel benötigt das Radieren jedoch etwas Zeit, so dass die Gefahr besteht, dass er zurückbleibt und dann nicht mehr „mitkommt“. Davon abgesehen ist die Suche nach dem Radierer während des Diktates immer ein großer Zeitfresser und ein beliebter Anlass für kleine störende Gespräche mit dem Nachbarn.

 

 

Die Stifte mit radierbarer Tinte

Diese Stifte liegen ja im Trend. Es entfällt das lästige Suchen des Radiergummis.

Es sind aber in der Regel keine richtigen Füller mit einer Feder, was sich dann wieder beim Schriftbild zeigen kann.

 

 

Das falsch geschriebene Wort durchstreichen

Das ist schnell getan und der Schüler könnte gleich weiter schreiben. Ich liebe es. Diesen Vorteil zu nutzen schaffen viele Schüler jedoch nicht, da sie psychologisch nicht mit dem durchgestrichenen Wort „leben“ möchten. Sie wollen den gemachten Fehler nicht sehen, er soll verschwinden. Mit dem Radieren oder Killern verschwindet auch, dass ein Fehler gemacht wurde. Zudem schaffen es nicht alle Schüler, ein Wort ohne Lineal gerade durchzustreichen. Entweder der Schüler streicht es zuerst hässlich durch und will es danach erst recht wegmachen, oder er kritzelt es mit vielen Strichen durch. Oder, er macht sich während des Diktates auf die Suche nach einem Lineal, welches an diesem Tag mit absoluter Sicherheit vergessen wurde.

 

 

Falsch Geschriebenes mit weißen Etiketten oder mit Korrekturband überkleben

Hier erspart man sich, im Gegensatz zum Tintenkiller, durchgeweichte Stellen im Heft. Man kann ein Wort auch mehrere Male falsch schreiben und überkleben. Diese Variante ist beim „Killern“ nicht möglich. Aber auch hier schreibt der Schüler bis er einen Fehler macht, dann beginnt die Suche. Zeitraubend ist auch, dass einige Schüler ihr Heft regelrecht „zupflastern“, da bei einer großen Schrift gleich mehrere Etiketten notwendig werden.

 

 

Der „Tintenkiller“

Über die Benutzung des Tintenkillers kann in Grundschulkollegien stundenlang diskutiert bzw. gestritten werden. Die Schüler lieben ihn und sehnen sich die Zeit herbei, in der sie ihn endlich benutzen dürfen. Manche Lehrer verdammen ihn. Mir persönlich ist er egal.

Man kann zum Tintenkiller stehen wie man will, er hat nur ein Hauptproblem: Er ist nicht da, wenn man ihn braucht. Der Schüler schreibt, bis er einen Fehler macht, dann beginnt die Suche. Nach dem Killer, dem Ersatzkiller, dem Leihkiller oder nach den zwei Deckeln des Killers, die inzwischen auf die Erde gefallen sind. Bis die Suche abgeschlossen ist, befindet sich die Klasse im Diktat 2 Sätze weiter.

 

 

Letztendlich liegt das Problem aber nicht in der gewählten oder vorgegebenen Methode. Vielmehr darin, dass diese nicht konsequent und zügig vom Schüler angewandt wird. Hier der Standardablauf eines missglückten Diktates am Beispiel des Tintenkillers:

 

Lehrer:       „Holt bitte das Heft und alles heraus, was ihr für das Diktat benötigt!“

o    Schüler:     Holt sein Heft und den Füller heraus.

Lehrer:       Wartet bis alle bereit sind.

o    Schüler:     Schaut suchend durch die Gegend mit wem er Kontakt aufnehmen könnte.

Lehrer:       Beginnt den ersten Satz zu diktieren.

o    Schüler:     Merkt, dass es schon losgegangen ist, fängt verzögert an zu schreiben. Dafür etwas schneller, weniger schön und mit Fehlern.

Lehrer:       Wartet einige Zeit und diktiert dann den zweiten Satz.

o    Schüler:     Merkt, dass genau in diesem Moment die Patrone leer ist und meldet sich um dies mitzuteilen, oder beginnt leise mit der Suche.

Lehrer:       Stoppt mit dem Diktieren, um dem Schüler die Möglichkeit zu geben, seinen Füller zu richten.

(Der Diktier- und Konzentrationsfluss für die Klasse ist unterbrochen und dadurch entstehen auch bei anderen Schülern Fehler, die bei einem kontinuierlichen Fortgang des Diktates vermeidbar gewesen wären.)

o    Schüler:     Teilt publikumswirksam mit, dass er nun fertig sei.

Lehrer:       Diktiert den nächsten Satz.

o    Schüler:     Merkt, dass er ein Wort falsch geschrieben hat und begibt sich im Mäppchen oder Schulranzen auf die Suche nach einem Tintenkiller, da dieser ja nicht, wie vom Lehrer gefordert, vorher gerichtet wurde.

 Lehrer:       Diktiert weiter.

o    Schüler:     Findet evtl. den Killer nach einiger Zeit oder leiht ihn sich schnell vom Nachbarn aus und korrigiert zeitaufwändig wie folgt:

- Deckel runter, nur der Fehler wird weggekillert, Deckel drauf.

- Deckel wieder runter, doch lieber das ganze Wort wegkillern. Deckel wieder drauf.

- Anderer Deckel runter, schreiben, Deckel wieder drauf. Danach wird der Tintenkiller mit einem lauten „Danke“ zurückgegeben. (Man muss ja höflich sein). Oder ordentlichst zurück in das Mäppchen einsortiert und in das dafür vorgesehene Gummi eingeschoben. Ordnung muss schließlich sein. Sollte sich dort gerade ein anderer Stift befinden, muss in diesem Moment auch noch eine kurze Mäppchenumsortierung stattfinden.

Lehrer:       Macht mit dem Diktat weiter. (Ist kurz vor dem Explodieren)

o    Schüler:     Hängt mindestens einen halben bis einen ganzen Satz zurück.

Lehrer:       Macht mit dem Diktat weiter.

o    Schüler:     Muss nun die Sätze aus dem Gedächtnis zeitversetzt schreiben und macht mehr Fehler, da er gleichzeitig das Alte schreiben und das Neue hören und sich merken muss.

Lehrer:       Macht mit dem Diktat weiter.

o    Schüler:     Unter der Stressbedingung, dass man immer weiter zurückbleibt, steigt die Fehlerquote und die Schrift wird immer hässlicher. Entweder er verbessert nun  gar nicht mehr, fällt noch weiter zurück oder hört einfach ganz auf zu Schreiben.

Lehrer:       Macht mit dem Diktat weiter.

o    Schüler:     Geht zum gewohnten Motto über: „Augen zu und durch.“

Lehrer:       Am Schluss des Diktates gibt er den Schülern die Möglichkeit, selbst noch Fehler zu verbessern.

o    Schüler:     Schaut nur flüchtig über den Text. Häufig will der „unstrukturierte Schüler“ direkt nach dem Anfertigen der Arbeit gar nichts mehr mit seinem „Produkt“ zu tun haben. Möglichst schnell abgeben nach dem Motto: „Aus dem Auge, aus dem Sinn.“ Er weiß ja selbst, dass es keine gute Leistung war. Im schlimmsten Fall werden noch einige Fehler hineinverbessert.

 

 

Dazu, dass ein Kind überhaupt strukturiert Lernen kann gehört auch, dass das Kind sein Lernen organisiert und verschiedene Lernstrategien vermittelt bekommen hat und diese auch beherrscht bzw. anwendet. Dies passiert nicht zufällig. Der Lehrer muss hier seinen Teil im Unterricht tun, aber das Lernen zu Hause kann im Wesentlichen nicht durch die Schule gesteuert werden. Dies bedarf also, besonders in der Grundschule, der Kontrolle und der Anleitung durch die Eltern. Es gelten folgende Leitfragen:

  • Gibt es Rituale, welche die Erledigung der Hausaufgaben steuern?
  • Gibt es festgelegte Zeiten für die Anfertigung der Hausaufgaben?
  • Ist der Arbeitsplatz zur Erledigung der Hausaufgaben festgelegt? (Kann auch die Küche sein, Hauptsache es ist geregelt.)
  • Wird dafür gesorgt, dass die Erledigung der Hausaufgaben störungsfrei verlaufen kann? (Lärm von draußen, Computer, Geschwister, Telefon, Haustier, usw.)
  • Wird das Hausaufgabenheft konsequent verwendet und gemachte Hausaufgaben durchgestrichen, bzw. abgehakt?
  • Wie wird dem Kind Hilfestellung bei Nichtverständnis einer Aufgabe angeboten, ohne dem Kind die geistige Arbeit abzunehmen?
  • Hat der Schüler für seinen Lerntyp wirksame Lernstrategien eintrainiert, mit denen er Vokabeln, Gedichte, Lernwörter, Formeln, usw. erlernen kann? (Da gibt es keinen Königsweg, da muss man sich vom Lehrer beraten lassen.)

Fehlen diese Strukturen, können starke Schüler dies evtl. kompensieren, für "schwächere" Schüler kann dies jedoch einen enormen Energiefresser darstellen.